Elternpower bei der Studien- und Berufswahl gewünscht?
Über Möglichkeiten und Grenzen und
die verschiedenen Optionen für Ihr Kind

Werden Ihnen die folgenden Zitate und Gedanken bezüglich der Studien-und Berufswahl Ihres Kindes bekannt vorkommen? Sicherlich.

Dabei hieß vor kurzem der neue Abschnitt noch „Kita-Eingewöhnung“. Erst sind die Kleinen vorwärts, dann rückwärts gelaufen. Der erste Rennversuch. Voller Stolz mit der Rassel in der Hand durch den Raum. Nach anstrengenden Abschiedstränen vor der Kita saßen Sie dann später bei der ersten Theater-Aufführung in der Grundschule vor Stolz und mit Liebe platzendem Herz in der vordersten Reihe und konnten nur so staunen. Und dabei hat man sich so viele Gedanken gemacht, ob die Kleinen den Anschluss in der neuen Klassen finden. Mit der Grundschule kam nämlich auch der Ernst des Lebens – Die Grundschule macht aus kleinen Kindern junge Menschen, die das Stillsitzen und Lernen üben und verinnerlichen müssen. Vorbei mit dem Spielen, dem Rumalbern und Toben. Vorbei mit dem Freisein, dem Wildsein, dem Kindsein. Es galt zu verstehen, dass nun andere Dinge in den Fokus des Alltags gerückt sind. Das Leben, wie es noch vor ein paar Wochen war, ist vorbei.

Der erste Weckruf, für das was danach kam. Die weiterführende Schule stellte höhere Anforderungen an die Schüler als die Grundschule. Zeit für Sie, sich bereits jetzt schon auf die Schultern zu klopfen. Die schlimmsten Flegeljahre sind überstanden, Sie haben das gut gemacht! Und seien Sie ehrlich – der Abnabelungsprozess machte Ihnen doch mehr zu schaffen, als Sie sich das eingestehen wollten. Was dann kam war der Übergang von der Grundschule zur Weiterführenden Schule und dies ist der bedeutendste der Bildungsbiografie unserer Kinder –  die nächste Hürde kann also mit vollem Selbstbewusstsein angegangen werden, auch wenn sich diese nochmals als eine ganz besondere Herausforderung darstellt.

Sie sind mit den verschiedensten Erwartungen konfrontiert und in diesem ganzen Hamsterradlauf fragen Sie sich eigentlich nur noch ob es eigentlich besser ist, sich mit den eigenen Vorstellungen aus der Studienwahl des Kindes rauszuhalten – den mittlerweile Großen während dieser Orientierung ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen und Freiheiten einzuräumen? Sie etwas ausprobieren zu lassen, was möglicherweise nicht in die eigene Vorstellungskraft passt? Oder sollten Sie vielleicht doch lieber sämtliche Beratungstermine koordinieren, Recherchen anstellen und die Richtung vorgeben?

Letztlich muss und soll Ihr Kind die Entscheidung zur Studien- und Berufswahl selber treffen. Sie als Eltern wirken jedoch immer, mal bewusster, mal ganz unbewusst auf diese Wahl ein. Sie sind Vorbilder und werden in den verschiedensten Rollen wahrgenommen – als Mutter und Vater Zuhause, als Berufstätige, als Arbeitssuchende, als Erwachsene mit Weiterbildungsfokus und in vielen weiteren Rollen. Dabei sind Sie Vermittler von Werten und Einstellungen, welche wiederum von Erfolgen, frustrierenden Erfahrungen, Handlungs-und Gestaltungsmöglichkeiten von Ihnen selber beeinflusst werden.

Neben Ihrer Vorbildrolle gilt es für Sie sich vor allem selber auch als Unterstützer, Mutmacher und Ratgeber zu sehen – insbesondere ein emotionaler Rückhalt trägt hier zum Erfolg bei. Und das soll nicht verstanden werden, als dass die eine Erwartung die andere jagt. Mit Struktur und einer händelbaren To-Do-Liste nehmen Sie diese Rolle gerne von ganz alleine ein. Was immer wieder auffällt, dass im Dschungel der Möglichkeiten trotz Landesinitiativen wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“ noch die vollkommene Transparenz über entsprechende Möglichkeiten fehlt. Was spricht für eine Ausbildung, was für ein Studium? Oder doch beides im Rahmen eines Dualen Studiums kombinieren? Welche Ausbildungsformen gibt es mittlerweile und wie lassen sich diese noch voneinander unterscheiden? Wo liegen die Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen? Fangen wir zunächst mal ganz langsam an…

Wir präsentieren Ihnen hier die wichtigsten
Merkmale in folgender Übersicht:

  • Universitätsstudium
    • sehr theoretisch ausgerichtetes Studium und wissenschaftliche Lehre
    • Forschungslaufbahnen nicht selten
    • Promotionsrecht
    • große Anzahl an Fächern und Fachrichtungen
    • es wird eine eigenständige Vorlesungsplanung über das Studium hinweg erwartet
  • Fachhochschulen
    • grundsätzlich anwendungsorientierte und praxisnahe Vorlesungen
    • Promotionen nicht immer vorgesehen aber möglich
    • überwiegend Studiengangsangebote aus den folgenden Bereichen: Wirtschaft & Management, Sozial- und Gesundheitswesen, Technik sowie Medien
  • Staatliche Institutionen
    • ausschließlich staatlich anerkannte Abschlüsse
    • Vorlesungen in Form von Massenveranstaltungen und vollen Hörsäalen insbesondere in beliebten Fakultäten
    • Dauer des Studiums mind. 3 Jahre
    • niedrige Semesterbeiträge
    • feste Bewerbungsfristen zu Sommer- und Wintersemester
  • Private Institutionen
    • eingeschränktes Studienangebot, da private Hochschulen sich oft in bestimmten Fachrichtungen spezialisiert haben
    • nicht immer staatliche Abschlüsse, daher auch Qualitätsunterschiede (Achtung bei der Hochschulwahl und in Bezug auf Akkreditierungen!)
    • i.d.R. dauert das Studiums 3 bis 3,5 Jahre
    • oft mit Studiengebühren verbunden
    • außerordentliche Betreuung und Serviceleistungen
    • moderne Ausstattung in persönlicher Lernatmosphäre
  • Duales Studium
    • Kombination aus Theorie und Praxis durch obligatorische Praxisphasen im Betrieb – verschiedene Zeitmodelle möglich
    • Wechsel zwischen Berufsschule, Unternehmen und Hochschule, daher Ortswechsel innerhalb der Woche möglich
    • i.d.R. Dauer von 3 bis 3,5 Jahre
    • i.d.R. Refinanzierung der Studiengebühren durch Arbeitsverhältnis im Betrieb, sodass sich auch von Vorteilen privater Institutionen profitieren lässt
    • Doppelbelastung nicht zu unterschätzen
    • insbesondere geläufig in technischen, wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen
    • beliebt bei Unternehmen, da Hochschulabsolventen 3 Jahre Berufserfahrung besitzen und Marktdynamiken bereits kennen gelernt haben
  • Ausbildung
    • in dualer (Theorie an Berufsschule + Berufspraxis im Unternehmen) als auch schulischer (schulischer Unterricht + ggf. Praktika in Unternehmen) Form möglich
    • Azubis verdienen bereits eigenes Geld (duale Form)
    • keine Ausbildungsvergütung bei schulischer Form, teilweise Schulgeld zu leisten
    • Dauer der Ausbildungen erstreckt sich von 1 bis 3,5 Jahren

Geben Sie sich und Ihrem Kind in der ersten Orientierungsphase für diese Möglichkeiten Zeit – besuchen Sie insbesondere in ersten Schritten zusammen Orientierungsmessen, verschiedene Institutionen, machen Sie sich ein Bild von Beratern, Atmosphäre und Räumlichkeiten. Auch wenn die Übersicht erste Tendenzen aufzeigt – letztlich ist jedes Unternehmen, jede Hochschule, jede Universität ein eigener Komplex und nicht vergleichbar. Besuchen Sie gerne auch Elternformate, wie beispielsweise Elternabende ohne Ihr Kind. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus und gehen Sie auf Ihr Kind zu.

Was auf der Hand liegt ist, dass das Durchschnittsalter der Absolventen von Ausbildung & Studium stark zurückgeht – Kein Wunder, dass das eigene Kind Startschwierigkeiten innerhalb der Orientierungsphase hat, sich dem Ganzen vielleicht noch gar nicht gewappnet fühlt. Helfen Sie daher zunächst, indem Sie mit Blick auf die Zeit den Orientierungsprozess einleiten. Unterstützen Sie vor allem beim Erfragen eigener Ziele, Fähigkeiten und Interessen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Hilfe es gerne in Anspruch nehmen möchte. Erkennen Sie im nächsten Schritt aber genau dann den Zeitpunkt, wenn es heißt loszulassen und dem eigenen Kind seine finale Entscheidung selbst zu überlassen. Für diesen Balanceakt ist sicherlich Feingefühl, gute Beobachtung und Kommunikation von Nöten – mittlerweile gibt es aber diverse Möglichkeiten für Ihr Kind durch Praktika, Schnupperstudiengänge, Ferienprogramme usw. das benötigte Selbstbewusstsein dafür zu sammeln, um letztlich sicher hinter der Entscheidung stehen und Andere davon überzeugen zu können.

Denn sich an anderen zu orientieren, heißt letztlich doch austauschbar zu sein – wer das, was er macht, gerne tut, hat mehr Erfolg. So wird das Entscheidungen treffen ganz schnell zur Schlüsselkompetenz und Basis für alles, was kommt.