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18.10.2022
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Der Master verändert alles

Mehr Kompetenz. Mehr Respekt. Mehr Vertrauen. Der Master befördert Berufene im Gesundheitssektor zu ihrer Profession. Das eröffnet neue Chancen – für Arbeitnehmende und Arbeitgebende. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke, Studiengangsleiterin Gesundheitsbildung & -pädagogik (M.A.) an der EU|FH.

von Jule Fuchs

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Michèle Sawade ist eine Art Reisebegleiterin. Die EU|FH-Masterabsolventin betreut pflegende Angehörige von Alzheimer-Erkrankten, eine der häufigsten Demenzformen. Die Krankheit ist irreversibel. Betroffene verlieren ihre lebenslang erworbenen Fähigkeiten. Der dramatische Krankheitsverlauf, der geistige Verfall eines Menschen, belastet besonders Familie und Freund:innen. Die Projektleiterin beim Landesverband der deutschen Alzheimergesellschaft ist regelmäßig mit Einzelschicksalen konfrontiert.

Nach ihrem Abitur im Jahr 2014 startete Michèle ihren Bachelorstudiengang Ergotherapie (B.Sc.) an der EU|FH in Rostock. Bei Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke sattelte sie einen Master in Gesundheitsbildung & -pädagogik (M.A.) auf. Neue Karrierechancen eröffneten sich. Michèle fand ihren Traumjob bei der Alzheimergesellschaft, in dem sie ihre Kompetenzen in vielfacher Weise entfaltet.

Sie sagt: „Der Masterabschluss war auf jeden Fall notwendig für meine jetzige Stelle. Ich habe ein deutlich besseres Einkommen. Ein gutes Gehalt kann Respekt zwar nicht ersetzen, aber umso besser, dass mein Job mir beides bietet.”

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke begleitete Michèle durch das gesamte Masterstudium. Während der Master im sozialen Sektor etabliert ist, besetzt der Abschluss im Gesundheitssektor noch Nischen. Michèles Studiengangsleiterin erklärt, was ein Masterstudium im Sozial- und im Gesundheitswesen bewegt.

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Besseres Einkommen und berufliche Verantwortung. Der Master katapultierte Michèle in eine neue Sphäre. Ist das typisch für Masterabsolvent:innen der EU|FH?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Im Grunde schon. Michèle arbeitete nach ihrem Bachelor als Ergotherapeutin mit Reha-Patient:innen, nutzte und entwickelte Therapien. Der Master erweiterte ihre Kompetenzen, vertiefte ihr Selbstvertrauen und vervielfältigte ihre beruflichen Möglichkeiten. In ihrer jetzigen Position setzt sie Themen. Sie steuert, wohin sich eine Organisation wie die Alzheimergesellschaft bewegt. 

 

Ein Master erhöht den Einfluss der oder des Einzelnen. Das macht Absolvent:innen wie Michèle recht unanfällig für Fluktuationen des Arbeitsmarktes. 

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Stimmt. Michèle kann flexibel auf Prozesse einwirken und auf Veränderungen reagieren. Sie ist Teil der Transformation, löst vielleicht sogar den nächsten Trend in der Fachszene aus. 

 

Können Masterabsolvent:innen im Sozial- und Gesundheitswesen generell besser mithalten?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Die Frage ist: Müssen wir immer mithalten? Geht es nicht eher darum, anschlussfähig zu bleiben? 

 

Wie meinen Sie das?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Wenn Studierende stringent durchziehen, haben sie mit 24 ihren Master in der Tasche und vielleicht noch 40 Berufsjahre vor sich. Schauen wir fünf Jahrzehnte zurück, hat sich das Berufsfeld stark gewandelt. Und es wird sich in den vor uns liegenden fünf Jahrzehnten noch viel stärker und schneller verändern. Es ist ein Trugschluss, jede Transformation mithalten zu können und zu wollen. Das überfordert irgendwann jede und jeden. Es geht vielmehr darum, sich selbst und die eigene Profession und Organisation weiterzuentwickeln, nicht hinter der Entwicklung herzurennen. Früher hieß es: Such dir deine Nische. Heute heißt es: Bleib flexibel. Die Grundlagen dafür erwerben Studierende im Masterstudium.

 

Im sozialen Sektor mag das auch zutreffen. Hier sind Bachelor- und Masterabschlüsse gängig. Im Gesundheitswesen – eine immer noch häufig sehr hierarchisch aufgebauten Branche – ist das anders. Auf diesem Gebiet gilt die EU|FH als Pionierin mit ihren Bachelor- und Masterstudiengängen.

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Wer ein Masterstudium in der Gesundheitsbranche wagt, kassiert anfangs oft Gegenwind von Arbeitgebenden, Kolleg:innen oder Freund:innen und Familie. Studierende brauchen ein Umfeld, das ihren Veränderungswillen und ihren Wissensdurst schätzt, sie beim Entfalten ihrer Kompetenzen unterstützt. Dies finden sie an der EU|FH. Ich kann nur allen empfehlen: Ermächtigt euch eurer eigenen Biografie!

 

Schöne Worte. Wie kann das gelingen?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Der erste Schritt kann der Kontakt mit unserer Studienberatung sein. Interessierte erhalten alle wichtigen Informationen, Antworten auf ihre Fragen und individuelle Unterstützung. Stellt sich der aktuelle Arbeitgebende zum Beispiel quer, kann die EU|FH in Gesprächen vermitteln. Führt kein Weg zum Ziel, unterstützt das Team der Unternehmenskooperation bei der Suche nach einem neuen Job.

 

Kommen wir zurück zu den Inhalten des Masterstudiums. Welche sind das?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Das Masterstudium bringt alles zusammen: Gesundheit beziehungsweise Soziales und Pädagogik. Das Studium verfolgt einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz. Dabei ergänzen sich die Perspektiven, die Studierende aus ihrem Herkunftsberuf mitbringen, mit neuen Perspektiven aus Pädagogik und Gesundheit. Studierende lernen zum Beispiel, wie sie mit ihrem Fachwissen, ihrer Erfahrung und den neu gewonnen Kompetenzen, anderen Menschen Lernprozesse ermöglichen. Im Master Gesundheitsbildung & -pädagogik etwa in der Berufsschule. Das eröffnet ihnen einen weiteren Blick als bisher, eine Art Makroperspektive. Sie erweitern ihr Wissen und ihre Handlungskompetenzen und erschließen sich so neue Felder. So lernen sie zum Beispiel Konzepte zu erstellen oder Programme zu planen. 

 

Das hört sich sehr individuell an. Wie sieht das im Studium aus?

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Das berufsbegleitende Masterstudium an der EU|FH verzahnt Theorie und Praxis. Es berücksichtigt die unterschiedlichen Herkunftsberufe der oder des Studierenden. Dies bereichert das Studium durch eine hohe Interdisziplinarität von Beginn an. Während des Masters bauen die Studierenden ein tragfähiges Netzwerk auf. Die Kohorten sind übersichtlich und familiär. Professor:innen, Dozent:innen und Studierende arbeiten eng zusammen.

 

Also gestalten Studierende ihren Master wirklich mit.

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke: Ja, das Studium bietet viele individuelle Spielräume, etwa bei der thematischen Ausgestaltung von Projekten. Das Studium orientiert sich an den Kompetenzen der einzelnen Studierenden. Nebenbei erwerben sie durch das oft ortsunabhängige Studium digitale Kompetenzen, können überwiegend räumlich und teilweise auch zeitlich flexibel lernen. Mit diesen Voraussetzungen lässt sich die eigene Weiterentwicklung mit Familie und Job vereinbaren.

 

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke Vizepräsidentin für Lehre und Didaktik Professur für Angewandte Pädagogik

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke leitet den Masterstudiengang Gesundheitsbildung und -pädagogik (M.A.). Sie ermutigt Studierende, ihre individuellen Kompetenzen weiterzuentwickeln und ihren eigenen Weg zu gehen.

Bildnachweise:
© EU|FH | Henrik Bartels

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